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Veranstaltungen am Mittwoch, 23.08.2017

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Erfurt · Mittwoch, 16.08. von 19:00 Uhr bis 21:00 Uhr

Kultur, Medien und Zeitgeschichte

Seit 2012 leitet Prof. Dr. Reinhard Schramm den Landesverband der Jüdischen Gemeinde mit ca. 800 Mitgliedern. Der größte Teil von ihnen stammt aus Osteuropa. Es sind Menschen, die aus Weißrussland, der Ukraine, Russland oder dem Baltikum bereits in den 90er Jahren nach Thüringen kamen. Menschen mit jüdisch-deutschen Wurzeln, auf der Suche nach neuen Perspektiven, Hoffnungen und einer neuen Existenz. Heute erleben wir die Integration der 2. und 3.Generation. Es gibt Bar Mizwa / Bat Mizwa - Feiern und jährlich u.a. das große Chanukka-Fest der Gemeinde mit vielen Gästen der Politik, des öffentlichen Lebens und anderer Religionen. Es ist ein Anliegen von Reinhard Schramm, auch den interreligiösen Dialog in Thüringen voran zu bringen. Ob Juden, Christen, schiitische oder sunnitische Muslime, die Gemeinde der Bahá'i, der russisch-orthodoxen Gläubigen - es gibt viele Religionen, die hier nebeneinander existieren und vom Recht der freien Ausübung des Glaubens Gebrauch machen.

Reinhard Schramm, geboren 1944, gehört zu den wenigen jüdischen Familien, die nach dem Holocaust in Deutschland geblieben sind. Seine Großmutter kam im KZ Ravensbrück ums Leben. Auch Tanten und Onkel mütterlicherseits hat er nie kennengelernt. Seine Mutter war Jüdin, sein Vater weigerte sich trotz der Aufforderung, als Nichtjude die Scheidung von seiner Ehefrau einzureichen. Diese Haltung rettete auch dem Sohn das Leben. Wie es ist, ungerecht behandelt zu werden, vertrieben, ausgemerzt und immer wieder Schikanen ausgesetzt zu sein, das beschäftigt ihn sein Leben lang. "Hätte es das Land Israel zehn Jahre früher gegeben, so wären Millionen Menschen am Leben geblieben."

Als es am 20. April 2000 zu einem Brandanschlag auf die Erfurter Synagoge kam, gab er sein Buch "Ich will leben" mit Erinnerungen seiner Familie heraus. Ein Buch, das vor allem an seine wunderbare, mutige Großmutter erinnert. Er erinnert heute an sie, wenn er einmal im Monat mit Jugendlichen in einer Thüringer Haftanstalt ins Gespräch kommt. Er klemmt sich das Buch unter den Arm, nimmt Platz in einem Raum und schaut in die Gesichter der jungen Männer - allesamt mit dem Gesetz in Konflikt gekommen, oft aus rechtsextremistischen oder gar antisemitischen Beweggründen. Warum macht er das kontinuierlich seit Jahren? Er schaut auf und sagt in die Runde:

"Bildung hilft auch gegen Rechtsextremismus. Das ist der Hauptgrund, warum ich hier bin bei Ihnen. Ich denke, es ist nicht umsonst. Diese Zeit damals wird sich so nicht wiederholen, nicht auf gleiche Weise, aber ich möchte auch nicht, dass sich Ähnliches wiederholt." - es sind klare Ansagen, klare Beweggründe eines Mannes, der sich seit Jahrzehnten engagiert, zum einen in der Jüdischen Landsgemeinde und zum anderen in der Politik. Reinhard Schramm ist Fraktionsvorsitzender der SPD im Stadtrat Ilmenau.

Als 2015 viele Geflüchtete, vor allem Muslime, nach Deutschland kamen, hoffte auch er, dass für jüdische Menschen keine neuen Konflikte entstehen würden. So kam es auch, vor allem auch, weil Reinhard Schramm immer wieder das Gespräch sucht und Dialog bietet. Thüringen auf dem Weg zu einem modernen Bundesland, interreligiös und interkulturell orientiert - genau das zu schaffen, ist auch Anliegen von Reinhard Schramm. Das Judentum hat darin seinen festen Platz.

Wir wollen mit unserem Gast reden - über seine Familiengeschichte, über Politik, Juden in der Gesellschaft und über den Wunsch nach einer höheren Frauenquote im eigenen Vorstand der Jüdischen Landesgemeinde.

Wegen des eingeschränkten Platzangebots in unserem Kellergewölbe bitten wir um verbindliche Anmeldung bis zum 10. August 2017.

Adresse:

Friedrich-Ebert-Stiftung
Landesbüro Thüringen
Nonnengasse 11
99084 Erfurt
Tel. 0361-59802-0, Fax 0361-59802-10

Ansprechpartner:

Paul Pasch (erfmail@fes.de)