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Vom 12.06. um 15:30 Uhr bis 13.06. um 17:30 Uhr

Die Weimarer Verfassung - Wert und Wirkung für die Demokratie - Konferenz

Wert und Wirkung der Weimarer Verfassung für die deutsche Demokratie wurden lange Zeit unterschätzt. Das Urteil über die Verfassung wurde mitgeprägt von dem, was ihr nachfolgte: Diktatur, Krieg, Holocaust. Wenn dabei häufig das Scheitern der Verfassung und ihre vermeintlichen Konstruktionsmängel betont wurden, so war dies oftmals interessengeleitet: Die offizielle Geschichtsschreibung der DDR rückte die erste deutsche Demokratie in ein schlechtes Licht, weil ihre politischen Ahnen an deren Zerstörung tatkräftig mitgewirkt hatten. Rückblickend fühlte man sich sogar bestätigt in der Einschätzung, dass die bürgerliche Demokratie nur eine Vorstufe des Faschismus gewesen sei. In Westdeutschland hingegen dienten Hinweise auf die Schwächen der Verfassung zunächst der Selbstentlastung einstiger politischer Akteure, sie reduzierten eigene Schuld und politisches Versagen. Später stand für eine jüngere Wissenschaftler-Generation die oft scharfe Kritik an der Revolution 1918/19 und deren vermeintlich ungenutzten Chancen im Vordergrund und trübte erneut den freien Blick auf den Wert der Weimarer Verfassung.

Erst seit einigen Jahren widerfährt der Weimarer Verfassung mehr Gerechtigkeit. Inzwischen wird deutlich, dass vieles von dem, was uns heute selbstverständlich ist, erstmals in Weimar verfassungsrechtlich verankert worden ist: Republik, Demokratie und Frauenwahlrecht. Viele politischen Ziele, die erst Generationen später realisiert wurden oder noch heute unsere Politik prägen, wurden damals formuliert. Etwa, dass die Ehe auf der Gleichberechtigung der Geschlechter beruht (Art. 119) und im Bildungswesen Chancengleichheit für alle Kinder notwendig ist (Art. 146). Das Ziel einer Wirtschaftsordnung, die "den Grundsätzen der Gerechtigkeit mit dem Ziele der Gewährleistung eines menschenwürdigen Daseins für alle" entspricht (Art. 154), war eine frühe Definition der sozialen Marktwirtschaft. Und das Ansinnen, durch zwischenstaatliche Regelungen über die Arbeitsbedingungen weltweit soziale Mindeststandards für Arbeitnehmer durchzusetzen (Art. 162), erscheint heute, im Zeitalter der Globalisierung, geradezu visionär.

Diese Konferenz will anhand von ausgewählten Beispielen Wert und Wirkung der Weimarer Verfassung nachgehen. Dabei sollen Entwicklungslinien gezogen werden vom Verfassungstext 1919 über die Verfassungswirklichkeit in der Weimarer Republik und das Bonner Grundgesetz bis zum politischen System und der politischen Kultur nach der Deutschen Einheit. Dabei sollen auch neue Aspekte aufgegriffen werden, die von der Forschung bisher weniger intensiv beleuchtet worden sind und möglicherweise Impulse für weitere Forschung geben können.

Mit in einer Tagungsdokumentation soll gleichzeitig ein Fazit gezogen und Fragen thematisiert werden, zu deren Beantwortung in den Referaten Anhaltspunkte bereits vorhanden sein sollten: Was bedeutet die Weimarer Verfassung für uns heute? Welchen Platz verdient sie in Wissenschaft und Erinnerungskultur? Wie kann das Wissen um den langen Weg zur gelungenen Demokratie in Deutschland für die politische Bildung nutzbar gemacht werden?

Eine Veranstaltung des Projekts "Weimar und die Republik".

Veranstaltungsort:Weimar
Adresse:congress centrum neue weimarhalle
Seminarraum 1+2
UNESCO-Platz 1
99423 Weimar
Ansprechpartner:Michael Schultheiß ([email protected])
Gebühr:40.00 Euro
Veranstaltungsprogramm:PDF
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